Die barrierefreie Gestaltung von Verkehrsknotenpunkten ist wesentlich, um den Fahrgästen einen uneingeschränkten Zugang zum öffentlichen Verkehr zu ermöglichen.
Trotz Allem bestehen weiterhin signifikante Herausforderungen beim Umsteigen zwischen verschiedenen Verkehrsmitteln. Störungen an Aufzügen oder Rolltreppen erfordern die Wahl anderer – zumeist längerer – Umstiegswege; Doppel- und Mehrfachhaltestellen erschweren die Orientierung, da Haltepunkte oft ungenau digital verortet sind und über die Reihenfolge der ankommenden Fahrzeuge nicht informiert wird; Wagenstände in Echtzeit und ihre korrekte Verortung am Bahnsteig fehlen oft; etc.
Insbesondere für Menschen mit Behinderungen stellt das eine große Hürde dar, ebenso auch für Personen, die in anderer Form – ggf. auch nur vorübergehend – mobilitätseingeschränkt sind, wie bspw. Eltern mit Kinderwägen oder einfach Reisende mit großem und/oder schwerem Gepäck. Darüber hinaus fehlen oft barrierefreie Alternativen oder sind nicht ausreichend gekennzeichnet, wodurch eine nahtlose Reisekette erschwert wird. Ein wesentliches Problem dabei ist die mangelnde Bereitstellung aktueller Informationen zu barrierefreien Wegen, Aufzügen, alternativen Routen sowie weiterer Details in der Wegekette am Umstiegspunkt. Digitale Angebote sind oft nicht vollständig aktuell oder nicht barrierefrei gestaltet, sodass dynamische Daten zu Störungen oder Änderungen im Betriebsablauf nicht verlässlich zur Verfügung stehen.
Diese Thematik wird im Forschungsprojekt „Digi4All – Digitales Umsteigen für Alle“, das im September 2025 gestartet wurde und über das FFG-Förderprogramm „Mobilitätswende 2024/2 – Mobilitätssystem“ kofinanziert wird, betrachtet. Hauptziel des Projekts ist die Erweiterung und Ergänzung einer innovativen digitalen Plattform, welche das barrierefreie Umsteigen im öffentlichen Verkehr nachhaltig verbessert. Der Fokus liegt auf der Schaffung eines nutzerfreundlichen Systems, welches insbesondere Menschen mit Behinderungen eine erhebliche Erleichterung ermöglicht.
Ein bedeutender Innovationsgehalt besteht zudem in der Entwicklung einer intelligenten Assistenzlösung, welche personalisierte Routenvorschläge basierend auf individuellen Mobilitätsanforderungen anzeigt. Dabei werden dynamische Informationen zu Aufzugsverfügbarkeiten, Fahrplanänderungen und infrastrukturellen Einschränkungen integriert, um den Umstieg effizienter und inklusiver zu gestalten. Neben Personen mit eingeschränkter Mobilität profitieren auch weitere Gruppen, darunter ältere Menschen oder die schon genannten Eltern mit Kinderwägen. Auch genderspezifische Aspekte sollen berücksichtigt werden, da Studien zeigen, dass Frauen und Männer unterschiedliche Mobilitätsmuster haben und verschiedene Barrieren erleben. Frauen nutzen den öffentlichen Verkehr bspw. häufiger für komplexe Wegeketten als Männer.
Insgesamt kombiniert Digi4All technologische und partizipative Entwicklung, um langfristig eine inklusive und nachhaltige Lösung für den öffentlichen Verkehr bereitzustellen. Die Mobilitätsverbünde Österreich sind dabei Teil des Projektkonsortiums, das von der Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs geleitet und seitens der TU Wien wissenschaftlich begleitet wird, und zeichnen vor allem für die Verarbeitung erforderliche Daten (Haltestelleninfrastruktur, Echtzeit- und Störungsinformationen zu Aufzügen und Fahrzeugen, etc.) zur Verwendung dieser Informationen in Auskunftssystemen und Routenplanern verantwortlich, wobei die zu betrachtenden Use Cases über Befragungen von Betroffenen sowie Zustands- und Benchmarkanalysen am Beginn des Projekts erhoben werden.





